„Integration ist für uns ein Schwerpunkt“
11.03.2010Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann referierte in der Waldschule über die Zukunft der Bildungspolitik und stellte sich den kritischen Fragen des Publikums
Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann stand den Fragen aus dem Publikum Rede und Antwort© Stadt BuchholzBuchholz (hh). Die Debatte war rege, die Fragen kritisch, die Antworten offen: Rund 70 Bürgerinnen und Bürger machten die Aula der Buchholzer Waldschule zum schulpolitischen Forum, diskutierten mit Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann über Wohl und Wehe niedersächsischer Schulpolitik. Heister-Neumann, die auf Einladung von Bürgermeister Wilfried Geiger in Buchholz weilte, warf zunächst einen weiten Blick nach vorn: „Wie wird die Bildungslandschaft im Jahr 2020 aussehen?“
Nach Heister-Neumann werde die von drei Elementen gekennzeichnet sein. So sei die Schule erstens ein „umfassender Lern- und Lebensort“. Im Mittelpunkt stehe zweitens, auch wenn die Ganztagsschule konsequent weiter ausgebaut werde, das Elternhaus: „Die Eltern werden von der Schule bei der Wahrnehmung des Bildungsauftrages unterstützt, der freie Elternwille wird auch in der Zukunft eine maßgebliche Rolle spielen“. Drittens werde das Land Bildungsregionen mit der Vorgabe einrichten, die Zusammenarbeit der verschiedenen Bildungsinstitutionen - Krippe, Kindergarten, Schule - miteinander zu verstärken.
In diesem Zusamenhang lobte die Ministerin die Buchholzer Bildungspolitik: „Hier wurden in den vergangenen zwei Jahren mehr als 100 Krippenplätze geschaffen - Buchholz ist da gut aufgestellt.“ Auch das Land habe auf diesem Gebiet mächtig aufgeholt. „Wir sind zwar auf niedrigem Niveau gestartet, aber werden schon bald den 10 000ten Krippenplaz einweihen.“ 450 Millionen Euro würden bis 2013 in diesen Bereich investiert.
Bürgermeister Wilfried Geiger übereichte Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann Blumen und ein Buch zum Abschied© Stadt Buchholz„Wir brauchen ein gemeinsames Bildungsverständnis für die Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren“, betonte die Ministerin und gelobte gleiche Bildungschancen für alle. Die Voraussetzungen dafür würden in den Krippen und Kindergärten geschaffen. Schule und Kindergärten würden deshalb künftig besser miteinander verzahnt.
Im gleichen Atemzug erteilte Heister Neumann der Einheitsschule eine Absage. „Niedersachsen steht zum gegliederten Schulsystem und zur IGS.“ Es gäbe hervorragende Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien. Beide Systeme - der akademisch orientierte Weg via Abitur und Universität wie auch der berufsorientierte Pfad - stünden gleichwertig nebeneinander. Wegen der angespannten Haushaltslage werde es im Übrigen weitere Refomen im Bildungssektor nicht geben. Für die Zukunft sei Niedersachsens Bildungslandschaft gleichwohl „gut aufgestellt“.
Widerspruch aus dem Publikum ließ nicht lange auf sich warten. Warum die volle Halbtagsschule für die verlässliche Grundschule aufgegeben worden sei, wollte etwa ein Zuhörerin wissen. Schließlich böte Erstere eine bessere Qualität. „Das sei doch ein Sparprogram.“ Ein anderer stellte den Sinn von Schulinspektionen in Frage. „Warum wird mit dem Geld nicht die Qualität der Schulen verbessert?“
Heister Neumann blieb keine Antwort schuldig. Die Schulinspektion sei eine Investition in die Qualität der Schule. Mittlerweile hätten auch andere Länder das niedersächsische Vorbild übernommen. Ebenso wenig mochte Heister-Neumann qualitative Unterschiede zwischen der vollen Halbtags- und verlässlichen Grundschule erkennen. „Beide Schulformen arbeiten nach der gleichen Stundentafel.“ Lediglich die Betreuung zwischen den Stunden werde bei der Verlässlichen nicht von Lehrern, sondern von pädagogischen Mitarbeitern übernommen. Das sei kein Sparprogramm. Im übrigen habe die Landesregierung seit 2003 den Haushaltsansatz für den Bildungsbereich um mehr als 500 Millionen Euro erhöht - trotz rückläufiger Schülerzahlen. Gleichwohl seien mit Blick auf die aktuelle Finanzsituation erstmals Kürzungen im Bildungssektor nicht ausgeschlossen.
Wie sich das mit der notwendigen Integration der Kinder von Migranten vertrage, wollte CDU-Ratsherr Jan Thomas Kettner wissen. Schließlich würden diese Kinder vor dem Hintergrund des demographischen Wandels immer wichtiger für die Zukunft des Landes. „Wir können und wollen auf diese Kinder nicht verzichten“, sagte Heister-Neumann. Die Integration müsse im frühkindlichen Bereich ansetzen. „Integration ist für uns ein Schwerpunkt.“
Auf den demographischen Faktor machte auch Bürgermeister Wilfried Geiger noch einmal aufmerksam. Die Stadt habe die Probleme erkannt und etwa mit dem Ausbau der Krippenplätze und der Fusion der Hauptschulen Heide- und Waldschule die Weichen auf Zukunft gestellt. „Die Ministerin hat uns eine Weg aufgezeichnet, den wir gemeinsam gehen können“, bilanzierte das Stadoberhaupt. Und stellte fest: „Bildungspolitik ist nicht allein das was Hannover fordert, sondern fängt bei uns zu Hause an.“




